Friday, 24. August 2012

RP: Bei Droege fließt alles aus der Kunst

Kunst als Quelle des Geschäfts

VON BERTRAM MÜLLER - Im Düsseldorfer Unternehmen Droege International Group AG, einem großen Beratungs- und Investmenthaus, gilt Kunst nicht als Dekoration, sondern als Quelle des Geschäfts. "Wir arbeiten nach allen Regeln der Kunst", so heißt es dort. Und das ist wörtlich zu nehmen.

Ein "Grauer Spiegel" von Gerhard Richter, drei figürliche Bronze-Skulpturen von Juan Munoz zum Thema Kommunikation und im Garten Thomas Schüttes "Modell für ein Museum"– die Droege International Group AG, ein aus einer Unternehmer-Beratung hervorgegangenes Beratungs- und Investmenthaus mit Sitz in der Düsseldorfer Innenstadt, hütet eine 1900 Werke umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst von Rang. Doch Hedda im Brahm-Droege, Miteigentümerin des Familienunternehmens und Mitglied des Aufsichtsrats, hört den Begriff Sammlung im Zusammenhang mit ihrem Kunstbesitz nicht gern. Schließlich dienen die Bilder, Plastiken und Objekte aus ihrer Sicht nicht in erster Linie als Dekoration, sondern als Arbeitsmaterial.

Und es geht auch nicht nur darum, dass sich die Mitarbeiter mit Kunst auseinandersetzen und aus Bildern Prinzipien für ihre berufliche Tätigkeit ableiten. Das Kunstkonzept des Hauses gründet sich ebenso darauf, dass regelmäßig Künstler zu Gast sind und ihre Methoden auf die Droege-Mitarbeiter abfärben lassen. Umgekehrt sollen auch Künstler schon von diesen Begegnungen profitiert haben: Sie wissen nun, wie man ein Projekt aufzieht, wie man mit größeren Personaleinheiten umgeht und was Internationalität bedeutet.

Begonnen hatte der nutzenorientierte Umgang mit Kunst im Unternehmen Droege vor 15 Jahren. Damals entwarf Michael Bockemühl (1943–2009), Professor für Kunstwissenschaft an der Privatuniversität Witten/Herdecke und dort zuständig für das "Studium fundamentale", ein Konzept, das die Verfahrensweisen von Künstlern auf die Wirtschaft zu übertragen sucht. Seitdem weist die Droege AG ihre Mitarbeiter in Schulungen und Wahrnehmungsseminaren darauf hin, was man von Künstlern lernen kann.

Gerhard Richters Spiegelobjekt demonstriert demzufolge "110-prozentige Qualität", wie das Unternehmen sie seinen Kunden bieten will. Richter selbst hat, wie Hedda im Brahm-Droege erklärt, die beiden in leicht differierendem Winkel nebeneinanderhängenden, bemalten Spiegel als Ausdruck höchster Perfektion bezeichnet und sie auch speziell für den jetzigen Standort entworfen.

Als der Spanier Juan Munoz (1953–2001) seine drei Figuren am Firmensitz aufstellte, konnten die Droege-Mitarbeiter verfolgen, wie die Figuren je nach Inszenierung einander böse oder liebevoll begegneten – Beispiele für gelingende und misslingende Kommunikation; auch dies ein Thema für Droege International.

Man mag sich darüber wundern, dass Künstler ihre Werke dermaßen in wirtschafts-psychologische Zusammenhänge einspannen lassen. Doch offenbar bereitet ihnen die Erfahrung, dass ihre Bilder und Skulpturen auf diese Weise auch einen praktischen Nutzen haben, viel Vergnügen. Jedenfalls kommen sie gern, wenn Droege einlädt.

Und zu jeder Winterfeier erhalten Mitarbeiter als Geschenk je einen Platzteller, der von einem Künstler entworfen wurde: von Stefan Kürten oder Xenia Hausner, Karin Kneffel oder Neo Rauch. So haben sich bei Droege International nicht nur Kunstliebe und Kennerschaft, sondern zugleich Freundschaften entwickelt.

Was die Mitarbeiter lernen, wenn sie angehalten werden, eine Skulptur von Hans Arp nicht nur von vorn zu betrachten, sondern sie zu umrunden, und in einem Gemälde von Sigmar Polke ihr Augenmerk auf den Hintergrund richten, fasst Droege-Group-Generalbevollmächtigter Thomas Scheffold so zusammen: "Der Umgang mit Kunst gibt uns Anregungs- und Reflexionsmöglichkeiten, um bei unserer beruflichen Tätigkeit Routinelösungen zu umgehen."

"Wir wollen Avantgarde sein", so formuliert Hedda im Brahm-Droege. Künstler seien Seismographen; davon könnten beide Seiten profitieren, sowohl das Unternehmen als auch die Künstler.

Zahlreiche Anfragen aus anderen Unternehmen zielen darauf, das Prinzip Kunst von Droege zu übertragen. Und selbstverständlich sind außer Ratschlägen auch die Kunstwerke selbst gefragt – als Leihgaben. Repräsentieren will Droege International damit allerdings nicht. Die Kunst wendet sich fast ausschließlich an das Unternehmen selbst.

"Beratung ist Umsetzung – nach allen Regeln der Kunst", so lautet das langjährige Motto der Firma. Für Droege International scheint es sich auszuzahlen.

Quelle: Rheinische Post

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