Dienstag, 1. März 2022

Xenia Hausner mit „True Lies“ im Museum Franz Gertsch

Die Ausstellung betont die wichtige Rolle der Inszenierung als Gestaltungs- und Kompositionsprinzip im Schaffen Xenia Hausners. Für ihre Gemälde konstruiert die Künstlerin vorab aufwändige räumliche Settings in ihrem Atelier: Installationen, die sie als Vorlage für ihre Bilder fotografiert. Teile eines Autos aus Karton oder Zugabteile aus Pressholzplatten werden zur Bühne für die Figuren, die Hausner wie Komparsen zu einem lebenden Bild arrangiert. Alltagsgegenstände werden zu Requisiten für ihre Darsteller in den rätselhaften Szenarien, die an das fotografische Vorgehen von Gregory Crewdson oder die Filme von David Lynch erinnern: Sie sind die Grundlage des zukünftigen Gemäldes. Die Darsteller spielen in Hausners Geschichten die ihnen zugedachten Rollen.

Xenia Hausner verschleiert nicht das Fiktionale ihrer Bild-Erzählungen, im Gegenteil. Darin folgt sie der zutiefst zeitgenössischen Einsicht, dass es nur die sichtbar gemachte Fiktion erlaubt, den Vorhang, der die Wirklichkeit verbirgt, zu zerreißen. Während die Kunstgeschichte über Jahrhunderte vom männlichen Blick geprägt wurde, verortet Xenia Hausner ihre Inszenierungen in einer von Frauen dominierten Gegenwelt: Die Themen und Geschichten Hausners werden vorrangig von Frauen aufgeführt, die alle Rollen einnehmen können, auch den männlichen Part. Meist in Überlebensgröße, in einer unverwechselbaren, intensiven Farbpalette mit breitem Pinsel und einem an Matisse gemahnenden Sinn für das Dekorative vorgetragen, werden diese plastisch herausmodellierten Figuren zu Stellvertretern allgemein gültiger Situationen und existenzieller Lebensfragen.

Xenia Hausner | Paris-Bar | 2001 | Acryl auf Hartfaser | 189 x 235 cm
 

Die Ausstellung ist vom 19. März bis zum 28. August zu sehen.

Museum Franz Gertsch, CH
https://www.museum-franzgertsch.ch/de/ausstellungen/true-lies-2/

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