Donnerstag, 9. Oktober 2014

Wie der Neustart bei Weltbild gelingen soll

Eine komplett neue Geschäftsführung verhandelt ab heute mit den Mitarbeitern

Augsburger Allgemeine, 9. Oktober 2014 - Nach den aufreibenden Monaten im Insolvenzverfahren stellt das Augsburger Verlags- und Handelsunternehmen Weltbild die Weichen für die Zukunft. Eine neue Geschäftsführung hat die Arbeit aufgenommen, nachdem das Düsseldorfer Beratungsunternehmen Droege Group im Juli bei Weltbild als Investor eingestiegen ist. Hinter Droege steht der Düsseldorfer Milliardär und Kunstsammler Walter Droege, der gerne bescheiden im Hintergrund bleibt. An der Spitze von Weltbild führt in Zukunft ein gleichberechtigtes Trio die Geschäfte. Gerd Robertz, 47, leitete bisher den erfolgreichen Online-Versender bücher.de, der Ende August vollständig von Weltbild übernommen worden ist. Patrick Hofmann, 48, kommt vom Elektrogroßhändler Sonepar. Und Sikko Böhm, 41, war bisher in der Droege Group tätig. Die drei neuen Geschäftsführer haben sich bereits den Mitarbeitern vorgestellt. Der frühere Weltbild-Chef Carel Halff hat seine Arbeit niedergelegt.

Am heutigen Donnerstag beginnen bereits die ersten Tarifverhandlungen mit der neuen Weltbild-Geschäftsführung für die verbleibenden rund 1000 Mitarbeiter. Ziel ist ein Haustarifvertrag, der nicht hinter den bisherigen Arbeitsbedingungen zurückbleibt, erklärte Verdi-Gewerkschaftssekretär Thomas Gürlebeck. Bis zu einem neuen Vertrag, längstens aber für ein Jahr seien die Ansprüche der Mitarbeiter gesetzlich geschützt. Auch bei Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld sind keine Einschnitte zu befürchten, betont Gürlebeck. "Die neue Geschäftsleitung hat auch nicht kommuniziert, dass sie hier etwas ändern will." Der Gewerkschafter setzt auf einen neuen Aufbruch: "Ich teile den Optimismus der Beschäftigten, was die neue Führung anbelangt", sagt Gürlebeck. Nach acht Monaten Führungsvakuum sei es wichtig, dass jetzt das Ruder wieder in die Hand genommen werde. Erste Bewährungsprobe sei das Weihnachtsgeschäft, das dringend anlaufen müsse.

Auch aus Sicht anderer Beobachter geht es ab sofort darum, die Dinge richtig in die Hand zu nehmen: Es müsse vieles anders gemacht werden, sagt ein Insider. "Ein Zurück in alte Zeiten, ins alte Fahrwasser kann es nicht geben." Weltbild habe eine neue Chance bekommen, sei aber noch nicht am Ziel. Nach dem "Closing", also der endgültigen Übertragung der Unternehmensanteile, wird Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz als Gesellschafter im Unternehmen bleiben. Er hält für die Gläubiger 40 Prozent der Anteile an Weltbild, erklärt Mitarbeiter Patrick Hacker. Geiwitz werde dann aber keine operativenLeitungsfunktionen mehr haben. Aus der "Verlagsgruppe Weltbild GmbH in Insolvenz" wird die Weltbild Retail GmbH & Co KG. Derweil hat auch das Weltbild-Logistikzentrum einen neuen Eigentümer: Der IT-Logistiker "Also" hat die Übernahme des Logistikzentrums nach der letztwöchigen Genehmigung durch die EU- Kommission am Montag vollzogen. 

Laut Mitteilung wird Also für die Weltbild-Gruppe Logistikdienstleistungen erbringen und rund 500 Mitarbeiter übernehmen. Der Bereich Logistic-Services soll nach der Integration rund 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaften. Hauptaktionär der Also Holding ist ebenfalls Walter Droege. Von den 512 früheren Weltbild-Mitarbeitern, die in der Transfergesellschaft Gedis untergekommen sind, haben 150 mittlerweile einen neuen Job, berichtet Projektleiterin Ulrike Knörle. 250 Fortbildungen in Themen wie EDV, Englisch oder Projektmanagement wurden finanziert, um die Menschen auf demArbeitsmarkt besser vermitteln zu können.

"IT- und Führungskräfte finden leicht neue Jobs, sehr schwer tun sich nach wie vor die Menschen mit gewerblichen und kaufmännischen Berufen", so Knörle. Die Übergangsmaßnahme für die Weltbildmitarbeiter läuft noch bis Ende März 2015.

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