Mittwoch, 26. April 2017

Internationales Kunststipendium 2017

2017 vergibt die Stiftung Kunst & Musik für Dresden zum zweiten Mal das „Internationale Kunststipendium“ an eine Bildende Künstlerin.

Aus fünf eingebrachten Vorschlägen wählte eine Fachjury die 1977 in Cava de‘Tirreni, Italien, geborene und in Paris lebende Künstlerin Marinella Senatore. Marinella Senatore arbeitet mit unterschiedlichsten Medien, darunter Performance, Film, Video, Fotografie, Klang, Installation, Zeichnung und Collage. Dabei steht der Entstehungsprozess im Mittelpunkt ihrer Kunst, denn sie verfolgt einen rigoros partizipatorischen Ansatz. Sie bricht mit der klassischen Trennung von Künstler und Betrachter und ihre Werke involvieren oft viele Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen. Ihr Interesse richtet sich vor allem auf den aktiven Austausch während der Kunstproduktion, weniger auf das finale Kunstwerk. Damit stellt sie die Idee des einzelnen, originären Künstlers grundsätzlich in Frage. Im Zusammenwirken sucht sie, Bewegungen und Gefühle, Gedanken und Ideen anzustoßen und in eine Dynamik zu bringen, die u. a. neues soziales Bewusstsein anregt und Hierarchien hinterfragt.

Große partizipative und überregional wahrgenommene Produktionen hat Marinella Senatore u. a. in Madrid (Speak Easy, 2009), Enna, Italien (Nui Simu, 2010), Berlin, Derby und Madrid (Rosas, 2012) und Modica, Italien (Modica Street Musical, 2016) realisiert. 2013 gründete sie die länderumspannende "School of Narrative Dance", die Menschen durch informelle Bildung, hierarchieloses Lernen und Geschichtenerzählen zu aktiven gesellschaftlichen Kräften zusammenführen möchte.


„Wir glauben, dass Marinella Senatore gerade in einer so etablierten Kunststadt wie Dresden provokative Fragen und neue herausfordernde künstlerische Positionen aufwerfen kann“, so Prof. Dr. Christoph Grunenberg, Vorsitzender der Jury. „Mit Marinella Senatore laden wir eine international agierende, herausragende junge Künstlerin in die Elbestadt ein. Wir hoffen, mit der Vergabe des Stipendiums im wahrsten Sinne des Wortes bewegende künstlerische Akzente in Dresden zu setzen.“


Marinella Senatore freut sich auf ihre Zeit in Dresden: “Ich habe eine Ausbildung in den Bereichen Musik, Bildende Kunst und Film. Daher ist meine künstlerische Praxis geprägt durch öffentliche Teilhabe, durch das Neudenken der Rolle des Künstlers als Autor und der Öffentlichkeit als Rezipient, durch das Zusammenführen von Theater als Lernort, von Oral History und von mundartlichen Formen, durch die Reflexion über die politische Natur kollektiver Formationen und deren Einfluss auf die Sozialgeschichte konkreter Orte und Gemeinschaften. Meine Performances, Malerei, Installationen und Videos konzentrieren sich auf solche soziale Themen und urbane Fragestellungen wie Emanzipation und Gleichheit, soziale Strukturen und Gruppensysteme. Dabei arbeite ich immer gemeinschaftlich und schaffe neue Möglichkeiten für öffentliche Teilhabe. Auf Grund des ortsspezifischen Charakters meiner Arbeit wird es für meinen Aufenthalt in Dresden wichtig sein, die lokale Bevölkerung zu treffen und Möglichkeiten für ihr Engagement zu finden: Das ist eine großartige Chance, um zu teilen und zu verbessern.”


Marinella Senatore wird ab August 2017 sechs Monate in Dresden leben und wirken. Neben einem monatlichen Stipendium stellt ihr die Stiftung eine Wohnung und ein Atelier kostenfrei zur Verfügung. Das Atelier befindet sich im „Kunstraum geh8“, so dass die Künstlerin Anschluss an eine lebendige Dresdner Künstlergemeinschaft haben wird. Die öffentliche Präsentation ist ausdrücklich Ziel des Stipendiums. Die Stiftung wird in enger Kooperation mit der Künstlerin und mit Partnern vor Ort aktiv dahin wirken, dass der Schaffensprozess für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht wird.


Die jährlich alternierenden Residenz-Kunststipendien der Stiftung, eines für Musik und eines für Bildende Künste, bündeln die Förderschwerpunkte der Stiftung, setzen neue und eigenständige Impulse und tragen zur Vernetzung der Kunststadt Dresden auf internationaler Ebene bei. Mit dem Internationalen Kunststipendium lädt die Stiftung alle zwei Jahre eine/n bildende/n Künstler/in nach Dresden ein, die/der sich bereits durch überregional wahrgenommene Projekte ausgezeichnet hat. Das erste Internationale Kunststipendium ermöglichte 2015 dem spanischen Künstler Fernando Sánchez Castillo einen Aufenthalt in der Elbestadt. 2016 lebte und arbeitete Maximilian Schnaus, Komponist und Organist aus Berlin, im Rahmen des Musikstipendiums in Dresden.


Die gemeinnützige Stiftung Kunst & Musik für Dresden wurde 2012 von der Landeshauptstadt Dresden errichtet, um als unabhängiger Förderer von Musik, zeitgenössischer Kunst und kultureller Bildung Akzente in der Elbestadt zu setzen und die internationale Wahrnehmung Dresdens als Kulturmetropole zu stärken. Die Stiftung bündelt privates Engagement und ist Plattform eines überregionalen Netzwerkes, das sich für Kunst und Kultur in Dresden einsetzt.

Die Jury zum Internationalen Kunststipendium 2017:

  •     Prof. Dr. Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
  •     Dr. Hedda im Brahm-Droege, stellv. Aufsichtsratsvorsitzende Droege International Group AG, Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V.
  •     Prof. Dr. Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen (Vorsitzender der Jury)
  •     Ralf Lehmann, Galerist, Dresden
  •     Martin Rieckmann, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums

 

 

Ansprechpartner:

Martina de Maizière, Vorstand
Maria Noth, Geschäftsleitung Stiftung Kunst & Musik für Dresden
Güntzplatz 5
01307 Dresden
Telefon: 0351 455 16531
E-Mail: stiftung@kunst-musik-dresden.de  

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